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klassik.com
Rezension von Tobias Pfleger (24.01.2005)
Interpretation: *****
Klangqualität: *****
Repertoirewert:
Booklet:
Brahms, Johannes:
Sonatas for Violoncello and Piano
Innige Harmonie – Brahms und Whisky
"Einige Instrumentalwerke von Johannes Brahms weisen auf textliche Komponenten hin, sei es durch die Verwendung von (Volks-)Liedelementen, Chorälen (wie in den Choralvorspielen op. 122) oder dem Voranstellen einiger Gedichtzeilen wie im zweiten Satz der Klaviersonate op. 5. Eine besondere Beziehungsvielfalt zu Textelementen weist die Violinsonate op. 78 auf, wegen ihres Rekurses auf Brahms´ Lieder op. 59 mit dem Beinamen ‘Regenliedsonate’ versehen. Besonders im dritten Satz dieser Sonate zitiert der Komponist das Regenlied op. 59/3 und Nachklang op. 59/4.
Die Konzeption dieser Aufnahme besteht darin, diesen ‘Beziehungszauber’ (wie ihn Thomas Mann in der musikalische Struktur von Werken Brahms´ erkannte) deutlich zu machen: Neben die Verarbeitung in der Violinsonate op. 78 – hier in der Bearbeitung für Violoncello und Klavier – sind die ‘Quellen’, sprich: die Lieder op. 59 gestellt, freilich in einer Einrichtung für Cello und Klavier. Auch die diese CD abschließende Cellosonate in e-Moll op. 38 scheint Teil der stringenten Konzeption zu sein, da Brahms auch hier auf vorliegendes Material zurückgreift: im dritten Satz ist das Fugenthema aus Bachs ‘Kunst der Fuge’ abgeleitet, das Hauptthema des ersten Satzes mit dem Contrapunctus IV aus dem selben Werk verwandt. Allein die Auswahl der Werke scheint also durch eine durchdachte Konzeption schlüssig und mehr als gelungen. Perfektes Zusammenspiel in jeglicher Hinsicht.
Wenn zu dieser ästhetischen Freude des Hörers ein wahrhaft einzigartiges Klangergebnis hinzukommt, wie dies hier der Fall ist, kann man beinahe von einem Geniestreich sprechen. Denn der Cellist Peter Hörr und seine Begleiterin, die Pianistin Cora Irsen, nehmen durch ihr in jeder Hinsicht absolut perfektes Zusammenspiel ein. Schon der Anfang von op. 78 klingt wie aus einer fernen nebelverhangenen Traumwelt, wenn das G-Dur ganz dunkel, samtig, weich, ‘mollig’ das Ohr des Hörers streichelt, sich Cello und Klavier zu einer Einheit verbinden, die ein wohliges Gänsehautgefühl erzeugt. Hier wird musiziert mit Tiefe, Leidenschaft, romantischem Impetus, ohne in effektheischenden Pathos abzugleiten.
Die dynamische Abstimmung der beiden Interpreten ist fabelhaft, ihr gemeinsames Atmen, Phrasieren und Aussingen der Melodiebögen beispielhaft. Einzigartig, wie hier perlende Läufe vom Klavier ohne merklichen Unterschied vom Cello übernommen und weitergeführt werden. Dieses Duo verschmilzt – höchstes Ziel der Interpretation von kammermusikalischen Werken – zu einer Einheit, ohne dass jeder Beteiligte seine eigene Stimme aufgibt. Auch wenn das Klavier die Führung übernimmt, bleibt die Cellostimme präsent, der feinfühlige Cellist Peter Hörr erfüllt jede Note mit drängender Leidenschaft und glühender Empfindung. Man hat den Eindruck, als würden allein in den drei Sätzen der G-Dur-Sonate alle Ausdrucksmöglichkeiten aufgeboten, von überschäumender Freude, bizarren Schattenspielen, zu tiefer, lyrischer Sanglichkeit und aufgewühlter Erregung.
Auch in technischer Hinsicht sind die beiden Interpreten über jede Kritik erhaben. Jede technische Schwierigkeit scheint für den Cellisten Peter Hörr wie auch die fabelhafte Pianistin Cora Irsen, deren Klavierpart beileibe nicht so von Blatt gespielt werden kann, nicht zu existieren. Irsen verfügt über die bei Kammermusikern essentielle Fähigkeit, ihr Spiel in Balance mit dem Partner zu bringen. Von kraftvollem, starken Anschlag bis zu fein perlenden Läufen bietet sie ein Schaustück an pianistischer Technik, um die Ausdrucksmöglichkeiten der Werke optimal umzusetzen. Auch die Tempi sind hier fließend und natürlich, nie gehetzt oder zäh. Das ‘Adagio’ der Sonate op. 78 wird langsam und innig, jedoch nicht schleppend genommen, die Allegri bleiben durch eine organische Tempogestaltung in ihrer Reichhaltigkeit der musikalischen Bezüge durchsichtig.
Kantilenen von seltener Schönheit . Auch die Liedbearbeitungen gelingen den Interpreten absolut überzeugend. Peter Hörr ‘singt’ auf seinem Cello wunderbar elegisch und einfühlsam; die Stimmungen der Lieder werden auch ohne Text dem Hörer unmittelbar erfahrbar.
Weiteres Glanzlicht dieser Produktion ist die Cellosonate in e-Moll op. 38, ein zu den eher frühen Werken Brahms´ gerechnetes Stück, das in seiner Klanglichkeit die Möglichkeiten der beiden Partner voll ausnutzt, auch wenn sich eine solch erstaunliche organische Verschmelzung der Instrumente wie in op. 78 nicht ganz zeigt.
Erstaunliche Klangqualität: Zu dem hervorragenden Eindruck dieser Produktion trägt zu einem nicht geringen Teil die erstaunlich gute Klangqualität bei. Die Instrumente verschmelzen zu einer Einheit, ohne dass das Klangbild jemals breiig zu werden droht, die Transparenz des Satzes bleibt in jedem Augenblick gewahrt. Die Techniker von Dabringhaus und Grimm haben auch hier wieder beste Arbeit geleistet, um die natürliche Akustik und die feinen dynamischen Schattierungen dieser bestechenden Interpretationen ohne technische Hilfsmittel in aller Unmittelbar auf CD zu bannen. Hier klingt alles, als ob die Musiker direkt vor einem säßen und ein kleines Hauskonzert veranstalteten, direkt und ungemein präsent.
Diese tief empfundenen Interpretationen voller elegischer Harmonien und lyrischen Melodien sind wohl die besten musikalischen Untermalungen für einen nebligen Winterabend im wohlig-warmen Wohnzimmer, im Sessel mit einem Gläschen Whisky sitzend: Brahms, wie er so richtig Spaß macht und unter die Haut geht. "
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Tiefgründig; Was geschieht, wenn ein Spezialist in Sachen Violoncello die berühmte Regenlied-Violinsonate auf sein Instrument überträgt? Und was ist, wenn der „Nachklang“ op. 59/4 ohne Worte daherkommt? - Peter Hörr, Cora Irsen und der legendäre Steinway D 1901 geben die sonore Antwort – und präsentieren „nebenbei“ noch eine der eindrucksvollsten Interpretationen von der authentischen Brahms-Cellosonate.
Endlich wieder eine Aufnahme, die Maßstäbe setzt in der sublimen Form der Duokammermusik. Das Label MDG verpflichtet hier zwei Künstler, die sich Brahms ganz neu nähern. Der Cellist Peter Hörr, in Fachkreisen für seine anspruchsvollen Deutungen bereits bekannt, zwingt uns gemeinsam mit seiner Partnerin Cora Irsen, das Opus 78, eigentlich den Geigern vorbehalten, neu zu erhören. Gemäss dem Grundsatz, mache es so einfach wie möglich, parlieren die Stimmen voll innerer Wärme dahin, ganz so, wie es die Gesangskunst erster Güte verlangt. Die Interpreten zeichnen Brahms oft tiefgründig nach, profund und äußerst kraftvoll, klar. Dabei fehlt es nicht an klanglich entrückten Phrasen, die danach verlangen. Auffallend ist der klangliche Gebrauch der Register; da ergänzen sich klar sprechende Bässe, den Diskant stützend - insgesamt eine strahlende, sinnliche Momentaufnahme, ganz entgegen dem Mainstream von Aufnahmen, die sich allein um durchgehendes Vibrato und lange Linie sorgen. (V. Kilpert, Amazon.com)
Titel
Titel: Johannes Brahms - Sonatas op.78 & op.38 Interpret: Duo Cora & Peter Komponist: Johannes Brahms (1833-1897)
Erscheinungsdaten
Erscheinungsdatum: September 2004 Label: Dabringhaus & Grimm Gesamtspielzeit: 63 : 45 Produktnummer (Barcode): 7 60623 11972 4
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